Wir trauern um unsere Backfee

Am liebsten hätte ich den Titel in ihren Arbeitsvertrag geschrieben: „Frau A. M., geboren am … in …, arbeitet bei uns als Backfee.“ Denn das war sie. Als würde sie mit dem Zauberstab Zucker und Mehl berühren, Sahne und Schmand, und die feinsten Leckereien kämen heraus.

Wir waren so verschieden wie Tag und Nacht, sie und ich, und das ergab die so wundersame Mischung, die uns bekannt gemacht hat. Die Backfee war mehr Buttercrème und Torte, ich bin mehr Baiser und Tarte. Meine Ideen aus der französischen Feinbäckerei waren ihr oft zu chi chi, ihre immer köstlichen Kreationen waren mir manchmal zu mächtig. Aber immer haben wir unseren Weg gefunden.

Sie war mit solcher Liebe bei der Arbeit; allein, ihr beim Verzieren der Wunderwerke zuzusehen, war die reine Meditation. Wenn sie die Sahne in den Spritzbeutel füllte, ihn zusammendrehte und mit Bedacht und Hingabe die Tupfen und Schnörkel aufbrachte, wurde ich ganz ruhig und tiefenentspannt.

Manchmal geriet ihr die Schwarzwälder Kirschtorte so hoch, dass wir sie Hochschwarzwald-Torte tauften und uns Sorgen machten, wie wir sie heil im Kuchenrondell unterbringen sollten.

Und nun ist sie nicht mehr da. Ein unfassbares, niederträchtiges Verbrechen hat sie uns geraubt, und ich weiß noch nicht, wie wir einen Weg aus dem Entsetzen, der Trauer und der Hilflosigkeit finden sollen. Meine Gedanken sind immer bei ihrer Tochter, der ich von ganzem Herzen die Kraft und die Hilfe aus ihrer Umgebung wünsche, die sie braucht, um damit fertigzuwerden.

Die Backfee war nicht einfach eine Angestellte bei uns. Sie war die Angestellte. Sie war die Backfee.

Lebensfroh, immer mit offenem Ohr für die Sorgen anderer, hilfsbereit bis zur Selbstaufgabe, dabei aber zupackend und robust. Ihr sattes, rauhes Lachen habe ich immer noch im Ohr; wir hatten so viel Spaß zusammen, verfolgten aber immer ganz ernsthaft unser gemeinsames Ziel: unsere Gäste glücklich zu machen, jede auf ihre Weise.

Liebe Andrea, du bleibst bei uns, in unseren Gedanken und in unseren Herzen.