Erholung und Aufbruch

Ist möglicherweise ein Bild von außen und Baum

Seit einer Woche erholt sich Hans in der Reha und es scheint ihm ausgezeichnet zu bekommen. Zwar ist eine Kur in diesen Zeiten kein besonderes Vergnügen, da Kontakte weitgehend ausgeschlossen sind, und damit gestalten sich vor allem die Wochenenden extrem langweilig. Irgendwann ist er das Areal oft genug abgelaufen, irgendwann sind die Bücher ausgelesen, das Schwimmbad darf auch nicht benutzt werden, und geselliges Beisammensein findet nicht statt. Aber er lernt viel über sich selbst und entdeckt jeden Tag neue Details in seinem Refugium, über die er mich ständig per Fotobotschaften auf dem laufenden hält. Er gerät zum Kommunikationswunder, worüber ich mich maßlos freue.

Meine eigenen Wochenenden sind nun alles andere als langweilig, denn letzten Samstag habe ich mit dem Außerhausverkauf begonnen, und er übertraf alle unsere Erwartungen. Laute liebe alte Stammgäste haben sich blicken lassen, es gab genug Zeit für eine kleine Plauderei, und ich musste Samstagabend sogar noch etwas nachbacken, damit ich am nächsten Tag genug Auswahl vorweisen konnte.

Am Sonntag bildete sich dann gegen 15.00h kurzzeitig tatsächlich so etwas wie eine Warteschlange vor der Tür, was bei herrlichem Sonnenschein, wenn auch niedrigen Temperaturen, gut auszuhalten war. Kommendes Wochenende sieht die Wetterprognose nicht so rosig aus, ich bin gespannt, ob die Gäste sich aus dem Haus trauen. Vielleicht rufen sie vorher an und reservieren sich ihre Auswahl, das würde den Ablauf natürlich sehr angenehm gestalten.

Eine liebe Freundin hat Hans eine Karte in die Rehaklinik geschickt, und er hat sich sichtlich darüber gefreut, weil er sie direkt fotografiert und an mich weitergeleitet hat. Zu anderen Zeiten kaum vorstellbar, ist dieser Aufdruck derzeit das passendste Motto.

Ist möglicherweise ein Bild von Text „HEUTE NICHTS ERLEBT. Auch schön...“

Auf Hans‘ Stundenzetteln, die er jeden Abend bekommt und auf denen seine Therapien für den nächsten Tag vermerkt sind, steht nach wie vor zu lesen, dass er am 20. März entlassen wird, aber das erscheint uns sehr kurz. Vielleicht entscheiden sie nächste Woche noch anders. Nicht dass ich ihn nicht mit offenen Armen nach Hause holen würde, aber er soll doch soviel wie möglich mitnehmen aus dieser Zeit. In jedem Fall geht es uns beiden derzeit richtig gut, es herrscht Aufbruchstimmung und wir blicken zuversichtlich nach vorn.