1. Advent

Nun ist der November um, der Lockdown jedoch nicht, und ich habe lediglich einen Eintrag in mein Tagebuch vorgenommen. Mir war nicht danach. Und die meiste Zeit ging es mir auch nicht besonders gut, das sag ich jetzt einfach mal, wie es ist.

Im Frühjahr ließ sich der Lockdown ganz gut ertragen, war er doch neu und ungewohnt, und wir hatten viel zu tun. Jeder Tag lieferte ausreichend Material für einen Tagebucheintrag. Außerdem war Frühling, das Wetter meist schön, die Tage lang.

In den letzten Wochen war das ganz anders, und ich habe unendlich lange gebraucht, mich dareinzufinden. Seit gestern ist das anders.

Gestern haben wir eine Landpartie gemacht. Wir waren in Horrweiler, Wein kaufen. Und auf dem Rückweg wandelte uns die Lust an auf ein Stück Kuchen. Also ging Hans in die örtliche Konditorei, um uns zwei sündige Stücke Sahnetorte zu besorgen. Er kam jedoch unverrichteterdinge zurück: das Café ist wegen der aktuellen Situation undsoweiter geschlossen.

Das hat mich umgehauen. Dass nicht einmal eine so große und beliebte Konditorei Außer-Haus-Verkauf wahrnimmt, ganz genauso wie wir. Sie sind prädestiniert dafür, es wäre ohne weiteres möglich, eine Art Einbahnstraßensystem einzuführen, wo die Kunden vorne hereinkommen, Kuchen kaufen und hinten wieder hinausgehen. Aber offensichtlich lohnt es sich selbst für dieses Café nicht. Vielleicht hat es mit der Novemberhilfe zu tun, bei der ja jede Art von Umsatz abgezogen wird. Aber angesichts der Tatsache, dass die meisten Restaurants versuchen, auf diese Art wenigstens im Gespräch zu bleiben, wundert es mich doch, dass Cafés darauf verzichten. Und es ist längst nicht ausgemacht, dass diese Novemberhilfe wirklich so hilfreich ist; ich bin noch nicht soweit vorangekommen damit, dass ich erkennen würde, wieweit sie uns entlastet.

Zum zweiten habe ich gestern einen Beitrag im Fernsehen verfolgt, der mich zu lauter neuen, kreativen Ideen für unser Angebot verführt hat. Aber davon schweige ich zunächst, weil ich das erst ausprobieren und mit der Backfee abstimmen will.

Auf jeden Fall geht es mir heute ausgesprochen gut und ich bin voller Pläne und Tatendrang. Im Ofen schmort ein riesiger Rinderbraten vor sich hin, es brennt eine Adventskerze und das Leben ist wieder schön.