Tag 41

Letzte Nacht habe ich mal wieder vom Café geträumt. Das passiert häufig, sehr häufig. Und es herrscht immer das komplette Chaos.

Röschen

Foto: aus Privatbesitz

Immer ist das Lokal viel, viel größer als in Wirklichkeit, immer bewege ich mich unter Bäumen und zwischen Sträuchern auf verschlungenen Wegen, bis ich in der hintersten Ecke den Tisch finde, dessen Bestellung ich dabei habe, und immer fehlt etwas, oder ich bringe das Falsche, oder es sitzen ganz andere Leute da als erwartet, meistens Menschen, die irgendwann vor langer Zeit mal meinen Weg gekreuzt haben: Schulkameraden, ehemalige Kollegen aus den unterschiedlichsten Epochen, ab und zu ein Filmstar.

Eule

Foto: aus Privatbesitz

Oder das Lokal hat mehrere Etagen, ist extrem verwinkelt, der Kaffee ist kalt, bis ich ankomme. Letzte Nacht war besonders dramatisch: es gab einen zweiten Ausschank, oder ein Office, wie man es nennen will, eine Räumlichkeit, die mich beim Aufwachen stark an die Teeküche in meinem früheren Bankbüro erinnerte: ein schmaler Korridor, rechts und links Schränke und Oberschränke, am Ende die Kaffeemaschine, und nichts war da, was ich gebraucht hätte: ich sollte heiße Schokolade herstellen und zwei Cappuccino, und in keinem der Schränke waren Untertassen zu finden. Für die heiße Schokolade brauchte ich irgendwelche Kännchen, die ich ebenfalls nicht finden konnte, ich habe jeden Schrank geöffnet und fand alles mögliche: Servietten, Pappbecher, Plastikbesteck, seltsame Rührlöffelchen, Unmengen von Zettelchen von früheren Bestellungen, aber keine Untertassen. Keine Milch für den Cappuccino. Einfach nichts, aber dafür alles andere.

Außerdem war eine Feier anberaumt, für die tausenderlei Dinge vorzubereiten waren: eine Präsentation, die mein E-Street-Freund Steve aus England halten sollte und mit der er die Auflösung eines Kriminalfalls vorstellen wollte, ist mir noch deutlich vor Augen, die anderen Aufgaben sind inzwischen schon verschwommen.

Brille

Foto: aus Privatbesitz

Das Merkwürdigste an den Träumen ist, dass ich jedes Mal die Nerven behalte, so, als ginge mich das gar nichts an, die Gäste warten schon, Kirsten, keine Sorge. Und immer ist Hans in der Nähe, immer ein Nervenbündel, im Gegensatz zu mir. In der Realität ist das meist umgekehrt.

Was soll mir das jetzt sagen? Dass mein Dilettantismus siegt, über dem ich gestern gegrübelt habe? Dass wir anbauen sollten? Dass das Café mein Leben bestimmt, bis in meine Träume hinein, und also eben sehr wohl meine Erfüllung bedeutet, auch wenn ich aktuell dort gar nichts zu tun habe? Oder einfach gar nichts?

Ich habe keine Ahnung. Aber spannend ist es.

„One thousand dreams whispered in the dark“ – Bruce Springsteen, „Two for the Road“