Tag 17

BücherschrankEs ist Palmsonntag, der Tag, an dem die Eltern uns besuchen wollten und das Café mal so richtig in Action erleben. Bislang kamen sie immer an einem eher ruhigen Samstag, brachten weitere Verwandtschaft mit und verlebten einen gemütlichen Nachmittag unter der Ansicht von Delft. Nun haben wir vereinbart, dass sie sich ins Auto setzen, sobald das Café wieder geöffnet ist, jetzt, wo der Frühling da ist, man bei Helligkeit fahren kann und unterwegs ausreichend Pausen einlegen. Es ist ja schon eine kleine Reise, gut 300km hin und genauso viele wieder zurück. Lesestoff für die Kinderbuchecke wollten sie mitbringen, kleine Schätze, die noch immer aus meiner eigenen Kindheit in ihrem Keller lagern.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und es ist besser so. Heute erreicht mich eine herzzerreißende Nachricht aus dem Freundeskreis. Der Vater eines Bekannten aus unserer E-Street-Fan-Truppe ist dem Virus erlegen, innerhalb von drei Tagen. Und das berührt mich mehr als ich erwartet hätte, wo ich doch den Sohn nur flüchtig, den Vater gar nicht kannte. Auf einmal ist das Virus ins eigene Leben eingedrungen, ist nicht mehr eine Ansammlung von Zahlen, unwirklich und abstrakt, sondern ganz real und erbarmungslos.

Im Guardian heute ein interessanter Text zum deutschen Föderalismus, der als „lahme Schildkröte“ offensichtlich am Ende doch effizienter mit dem Virus umgeht als zentralistisch regierte Staaten, wo alle Entscheidungen aus der Hauptstadt erst in die hinterste Provinz transportiert werden müssen. Ob das so ist, wird sich wohl erst in der Rückschau beurteilen lassen.

„But I ran till I fell shaking in his arms“ – Bruce Springsteens, „My Father’s House“