Astrid Ruppert

Nun haben wir noch immer nicht geöffnet, und schon steht der Termin für die allererste echte Lesung in unserem Literaturcafé.

Astrid Ruppert, Schriftstellerin und Drehbuchautorin („Obendrüber, da schneit es“), wird am 23. August aus ihrem neuen Buch, einer Kurzgeschichtensammlung, lesen und es ergeht bereits heute herzliche Einladung, dieser Premiere beizuwohnen. Da die Zahl der Sitzplätze auf zwanzig beschränkt ist, wäre eine telefonische Reservierung sinnvoll. Details hierzu auf unserer Homepage, literaturcafe-steinau.de.

Wir freuen uns und sind auch ein bisschen aufgeregt: kaum auf der Welt, muss das Kind schon laufen lernen.

Der Klappentext:

Diese acht Erzählungen führen in die Arktis – hier konfrontiert Astrid Ruppert ihre Heldinnen und Helden mit der Stille des ewigen Eises und der Brüchigkeit ihrer eigenen Welten. Die Frauen und Männer, die durch die eisige Welt des Polarkreises reisen, suchen ihren eigenen Norden, seit ihre innere Kompassnadel vom Leben außer Kraft gesetzt worden ist.

Er trat an die Reling und schaute zum nördlichsten Horizont, den er je gesehen hatte. Die Durchsage des Kapitäns hatte ihn darauf vorbereitet. Im Leben gab es dafür keine Vorwarnung. Da kam der Norden ganz plötzlich.

Antworten auf ihre Fragen finden sie in den unwahrscheinlichsten Momenten, in einem arktischen Sommer, der kalt ist wie ein Winter. In der arktischen Nacht, die ein langer Tag ist, finden gerade diejenigen ihre Bestimmung, die wissen, dass alles nicht so läuft, wie es müsste.

Die Kargheit der Ausblicke gab ihr eine innere Ruhe, das sanfte Schaukeln des Schiffes streichelte ihre Nerven und sie fühlte sich richtig hier und gut. In diesen hellen arktischen Sommernächten fand sie eine Version von sich, die sie vergessen hatte.

Wie die Heldin der Erzählung »Kaltkeimer« sehen wir all diese Nordfahrer an der Reling ihres Lebens stehen und staunen: Sie sind wie die Kaltkeimer dort draußen zwischen Schnee und Eis, die erst nach den spätesten Frostperioden austreiben, um Ihre inneren Entwicklungen vor dem Erfrieren zu schützen. Jetzt, weit weg von den mittleren Lagen des Gewohnten, betreten Astrid Rupperts Figuren die Gangway in ein neues Leben, von dem sie im gepolsterten Zuhause nichts geahnt hatten.

Sie wusste nicht wie lange sie dort gestanden hatte und mit den Walen geschwommen war. Erst als die Wale sich schon lange verabschiedet hatten, merkte sie, dass sie durch und durch kalt war, und ihr Gesicht feucht und salzig … Als sie zurück in ihre Kabine ging, wusste sie wieder, dass sie da war. Dass sie immer da war. Auch wenn sie manchmal tauchen ging.