Havanna

Havanna ist eine einzige große Bronzeskulptur. Das ist eine meiner deutlichsten Erinnerungen von unserer Reise dorthin, Weihnachten und Silvester 2012. Als wüchse der Rohstoff dazu auf den Bäumen. Überall stehen Büsten, Plastiken, sitzen Figuren aus der jüngeren Geschichte, und bei weitem nicht nur Politiker.

Frédéric Chopin sitzt auf einer Bank neben der Kirche San Francisco.

P1030118

P1030088Direkt vor dem Kirchenportal hält ein Bettler die Hand auf, mit dem einem echten Stadtstreicher ein Denkmal gesetzt wurde.

In einem sehr kleinen Park in Vedado sitzt John Lennon auf einer Bank, und ein sehr alter Parkwächter bewahrt seine Nickelbrille auf. Will man sich neben John auf der Bank fotografieren lassen, ist der Wächter gerne behilflich und setzt auch die Brille auf Lennons Nase.

Aber der, um den es hier gehen soll, steht in seiner Lieblingsbar am Tresen:

Hemingway

Das Floridita in Havanna rühmt sich nicht nur dieser Tatsache, Hemingway als Stammgast gehabt zu haben, sondern es nennt sich auch La Cuna del Daiquiri, die Wiege des Daiquiri. Das ist vermutlich eine Legende oder nicht nachzuweisen, hält die Barkeeper jedoch nicht davon ab, Hemingway täglich einen Daiquiri vorzusetzen.

Hemingway begegnet man auch sonst überall in Havanna, wenn auch nicht unbedingt in Bronze. Im Hotel Ambos Mundos kann man sein Zimmer besichtigen, das bis heute unverändert geblieben ist; in der Marina fuhr er zum Fischen aufs Meer; sein Haus liegt südlich der Stadt und enthält ebenfalls zahlreiche Memorabilia.

Darüber kann jeder Havanna-Reiseführer Auskunft geben.

Das Faszinierende an Havanna sind nicht die alten Autos oder die verfallenden und verfallenen Häuser. Mich hat die Atmosphäre beeindruckt, die in über fünfzig Jahren Sozialismus nicht verblasst ist. Diese Atmosphäre, die bald vielleicht Geschichte sein wird, wo Kuba sich immer mehr öffnet. Das Gefühl, eine Zeitkapsel noch rechtzeitig vor ihrem Platzen besucht zu haben, stellte sich ein. Dieses Hin- und Hergerissensein zwischen dem zweifellos Pittoresken der Häuser und alten Autos und dem phlegmatischen Elend, in dem alles zu verharren scheint.

P1020997