Die Loire und der Wein

Pinot oder Chardonnay, Merlot oder Sauvignon – alles schön und gut, aber die große TuffsteinEntdeckung für mich war die Chenin-Traube, die vornehmlich an der Loire kultiviert wird. Der gelbe Tuffstein, weich und porös, in den ganze Dörfer hineingeschlagen wurden und der auch hervorragend für die Champignonzucht geeignet ist, macht es möglich, dass ein staubtrockener Weißwein gleichzeitig fantastisch süße Aromen von Mirabelle, Pfirsich, sogar Ananas ins Glas, in die Nase und an den Gaumen bringt. Das beste Erzeugnis, das wir kennengelernt haben, ist der Vouvray von Marc Brédif, den wir in der Auberge du XIIème Siècle in Saché genossen haben.

Wir haben 2012 zwei Wochen im Zentrum der Loire-Region verbracht: nahe Tours, von La Retrayewo aus sich in Sternfahrten wunderbar die schönsten Schlösser, Klöster und Burgen erschließen lassen. Zwischendurch immer einen Ruhetag mit Wanderungen in die nähere Umgebung einlegen, direkt vom Bauernhof einen Ziegenkäse „sur la paille“ (auf dem Strohhalm) mit Baguette genießen, so wird der Loire-Urlaub zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Wir waren im Dornröschen-Schloss, im Damenschloss, an da Vincis letzter Wirkungsstätte und bei Richard Löwenherz, der im Kloster Fontevraud begraben ist, während sein Herz in der Kathedrale zu Rouen ruht.

Auf der Fahrt von Rabelais nach Fontevraud bietet sich ein Abstecher nach Tigné an, dem Weingut des M. Gérard Dépardieu. Ob er sich seit seiner Auswanderung nach Russland hier noch blicken lässt, ist mir nicht bekannt. Seine Weine waren nicht die besten, die wir an der Loire trinken durften, aber süffig und sommerlich schmeckten sie auch. Ein besonderes Schmankerl haben wir von Tigné mitgenommen: eine Magnum-Flasche Rotwein, die Hans für meinen 50. Geburtstag vorgesehen hatte. Na ja, die ist jetzt auch schon eine Weile ausgetrunken.

In Valençay, dem Schloss des französischen Ministers und Diplomaten Talleyrand, habe ich einen Salon fotografiert, der ganz an die Szene auf unserem Gobelin im Café erinnert. Genau so eine Gesellschaft, plaudernd und musizierend, könnte man sich dort vorstellen.

Valencay

Gobelin

Viele weitere Schlösser waren noch auf der Besuchsliste, aber dies hier soll ja kein Reiseführer sein, sondern meine eindrucksvollsten Erinnerungen reflektieren, die im Idealfall auch einen kleinen Bezug zu unserem Literaturcafé aufweisen.